E-Mobilität

Was Sie beachten sollten, wenn Sie ein E-Auto kaufen

Von Bernhard Jodeleit | 13. Juni 2020
Was Sie beachten sollten, wenn Sie ein E-Auto kaufen

Vieles spricht derzeit dafür, ein E-Auto zu kaufen. Pioniere wie Tesla, aber auch die deutschen Hersteller wie Mercedes-Benz, VW, Audi, Porsche und viele andere Marken bieten eine große Auswahl elektrisch betriebener Fahrzeuge. Die Autobauer haben die Technik weit entwickelt und sind in Serienproduktion. Inzwischen finden sich Angebote in jedem Autohaus. Staatliche Zuschüsse, geringere Wartungskosten sowie das ruhige und dynamische Fahrverhalten von Elektroautos sind starke Argumente für den Einstieg in die Elektromobilität. Dazu kommt der Nutzen für die Umwelt.

Damit es zum vollen Erfolg wird, wenn Sie ein Elektroauto kaufen, hat der LadeHero diesen Ratgeber mit Infos und Kriterien zusammengestellt, die Ihnen bei der Entscheidung helfen.

Sollte man ein Hybrid- oder ein Elektroauto kaufen?

Die Kaufentscheidung beginnt mit einem Vergleich der Antriebssysteme.

Das Elektroauto mit rein elektrischem Antrieb

Von einem „Elektroauto“ spricht man bei einem vollelektrischen Antrieb. Hierbei handelt es sich um einen reinen Stromer ohne Verbrennungsmotor und damit ohne Emission direkt am Fahrzeug. Solche Autos werden mit speziellen Ladelösungen wie Wallboxen, mobilen Ladelösungen oder Ladesäulen aufgeladen. Die Auswahl an reinen E-Autos wächst ständig. Beim Kauf wird man feststellen, dass Preise und Reichweite zusammenhängen. Denn aktuell ist der verbaute Akku noch der größte Kostentreiber bei Elektroautos.

Das Hybridauto: Kombination mehrerer Antriebe

Hybridautos (Hybrid Electric Vehicles, kurz: HEV) fahren mit einer Mischform aus Strom und Benzin oder Diesel. Reine Hybrid-Autos, die über keinen Ladeanschluss verfügen, füllen den Akku nicht per Steckdose, sondern nur während der Fahrt wieder mit Strom. Der Strom, der wieder in den Akku fließt, wird aus der Bewegungs- und Bremsenergie gewonnen. Dabei arbeitet der Elektromotor wie ein Generator.

Prinzipiell ist bei den Hybrid-Autos zwischen zwei Typen zu unterscheiden:

Mild-Hybride verfügen über einen Elektromotor, der den Verbrennungsmotor lediglich unterstützt. Solche Autos können nicht rein elektrisch fahren. Staatlich gefördert werden sie nicht.

Großer Markt: Autokäufer bevorzugen Plug-in-Hybride

Sehr wohl von der staatlichen Förderung profitiert dagegen der Plug-in-Hybrid. Ein solches Auto verfügt über eine Ladebuchse. Es kann kurze Strecken, in der Regel deutlich weniger als 80 Kilometer, rein elektrisch zurücklegen. Reicht der Strom auf längeren Strecken oder bei höheren Geschwindigkeiten nicht aus, so schaltet der Plug-in-Hybrid auf den Verbrennungsmotor um.

Wer sich dazu entschließt, einen Plug-in-Hybriden zu kaufen, muss sich daher kaum Gedanken um Reichweitenprobleme machen. Schließlich kann ein solches Fahrzeug innerhalb weniger Momente mit Diesel bzw. Benzin betankt werden und fährt auch, wenn der Akku leer ist. Es gibt diese Hybride von zahlreichen Marken, und sie verkaufen sich in Deutschland sehr gut, sind bei den Neuzulassungen top.

Was die Umweltbilanz betrifft, gilt das rein elektrisch betriebene Auto als überlegen. Zu dieser Erkenntnis gelangte etwa das österreichische Bundesumweltamt in einer Studie. Dennoch lässt sich mit einem Plug-in-Hybriden viel Kraftstoff einsparen, vor allem, wenn das Fahrzeug häufig in der Stadt gefahren wird. Bis zu 25 Prozent Kraftstoff-Einsparung ist laut ADAC möglich.

Wirklich zur CO2-Reduktion beitragen kann man, wenn man nach dem Kauf eines Plug-in-Hybrids den Akku auch tatsächlich regelmäßig auflädt. Wer stets mit leerer Batterie im Verbrenner-Modus durch den Verkehr brettert, trägt nicht zur positiven Umweltbilanz bei.

 

Erwähnt sei zudem, dass die weitaus geringeren Wartungskosten bei rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen vor allem auf die geringere Zahl komplexer Bau- und Verschleißteile zurückzuführen sind. Es liegt auf der Hand, dass die Wartungskosten bei einem reinen E-Auto im Idealfall weitaus geringer ausfallen können als bei einem Hybridfahrzeug. Schließlich verfügt letzteres über zwei Antriebssysteme, und zwei Motoren bringen einfach mehr Verschleiß und Defekte als einer.

Elektroauto lädt an Ladesäule

Kaufen Sie ein Elektroauto, das genug Reichweite bietet

Sofern das Auto Ihrer Wahl kein Hybrid, sondern ein reines E-Fahrzeug ist: Überlegen Sie, wie weit Sie regelmäßig mit Ihrem Elektroauto fahren werden. Für kurze Pendelstrecken von einigen oder einigen Dutzend Kilometern in einer städtischen Umgebung reicht ein kleineres Modell mit bis zu 300 Kilometern elektrischer Reichweite. Das gilt insbesondere, wenn Ladestationen zuhause oder in der Nähe des Arbeitsplatzes zur Verfügung stehen.

Möchten Sie mit Ihrem Elektroauto auch längere Strecken zurücklegen, wächst die Anforderung an die Batterie. Modelle von Tesla verfügen über Akkus mit Kapazitäten um die 100 kWh und kommen dementsprechend länger ohne Stopps an Ladestationen aus. 500 bis 600 Kilometer am Stück sind hier rein elektrisch möglich.

Kaufen Sie ein Elektroauto mit dem richtigen Ladeanschluss

Wer ein E-Auto kauft, sollte jeden Fall bedenken, dass der Ladeanschluss ungemein wichtig ist. Denn die Anschlussbuchse und der Onboard-Lader bestimmen gemeinsam über die Schnelligkeit des Ladens und auch darüber, wo man überhaupt laden kann.

AC steht für Wechselstrom, und das AC-Laden beim E-Auto erfolgt mit aktuell maximal 22 Kilowatt (kW). Fahrzeuge mit AC-Ladung verfügen über eine Typ-2-Buchse und können an zahlreiche Ladestationen unterwegs angeschlossen werden. Fürs Zuhause empfiehlt sich eine Wallbox mit beispielsweise 11 oder auch 22kW. Alternativ eröffnet eine mobile Ladelösung Anschluss an verschiedene Stromquellen, mit dem entsprechenden Adapter kann auch ein Starkstromanschluss genutzt werden.

Gut zu wissen: Längst nicht alle E-Autos mit AC-Aufladung und Typ-2-Stecker erlauben tatsächlich eine Aufladung mit 22 kW. Manche Modelle lassen sich lediglich mit 11 kW oder sogar mit weniger aufladen. Hier lohnt es sich, intensiv zu vergleichen und die Ladegeschwindigkeit mit seinen eigenen Ansprüchen an Flexibilität und Mobilität anzupassen.

DC steht für Gleichstrom. Dieses Ladeverfahren empfiehlt sich für alle, denen die AC-Ladung zu langsam ist. Das DC-Laden eröffnet ganz neue Geschwindigkeiten beim Aufladen, da die maximal möglichen Leistungen hier deutlich höher liegen können. An den DC-Schnellladestationen, die entlang der Autobahnen in Deutschland aufgeladen werden, stehen Ladeleistungen von 50, 100 oder gar 350 kW zur Verfügung.

Praktisch: Kaufen Sie ein E-Auto, das sowohl mit Wechselstrom als auch mit Gleichstrom aufgeladen werden kann, sind Sie besonders flexibel. Diese Fahrzeuge verfügen über eine Buchse für den CCS-Stecker. CCS steht für Combined-Charging-System und kombiniert beide Ladeverfahren.

Bevor Sie ein Elektroauto kaufen: Rechnen Sie Szenarien durch

Prüfen Sie, welche Angaben der Hersteller zum Durchschnittsverbrauch und zur maximalen Reichweite macht. Informieren Sie sich jedoch zusätzlich anhand von Testberichten: Jedes Modell wurde von Bloggern und Automobilzeitschriften gehörig unter die Lupe genommen und getestet. Dabei kam regelmäßig heraus: Die Reichweitenangaben der Hersteller sind oft eine Spur zu optimistisch. Planen Sie also einen gehörigen Puffer ein und genießen Sie die Daten der Hersteller mit Vorsicht.

Der nächste Schritt sollten dann einige Rechenexempel sein. Realistisch ist bei einem Kompaktwagen ein Durchschnittsverbrauch von maximal 20 kWh pro 100 Kilometer. Bei diesem Wert ist schon ein gewisser Puffer eingerechnet. Verbräuche von ca. 16 bis 18 kWh zeigen sich als durchaus realistisch. Anhand dieses Durchschnittsverbrauchs und der Batteriekapazität können Sie überschlagen, wie weit Sie unter Normalbedingungen kommen. So kommen Sie auf halbwegs vergleichbare Szenarien.

Beispiel: 15 kWh Verbrauch pro 100 km ergibt bei einer Akkukapazität von 40 kWh eine Reichweite von 266 Kilometern. Allerdings werden Sie Ihr E-Auto kaum von 100 Prozent Akkuladung auf 0 Prozent „leer fahren“, das ist einfach nicht realistisch. Also fügen Sie in Ihre Rechnung entsprechende Abschläge und Puffer ein.

Beispiel 1: 350 Kilometer am Stück mit dem Tesla Model 3

Sie haben vor, eine Strecke von 350 Kilometern mit Ihren Tesla Model 3 in der Variante Long Range AWD zurückzulegen. Dank der Akkukapazität von 75 kWh ergibt sich in der vom LadeHero erprobten Praxis eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Sie können Ihre Reise daher ohne Zwischenstopp zum Nachladen zurücklegen, wenn Sie mit vollem Akku starten.

Beispiel 2: 350 Kilometer am Stück mit dem BMW i3

Wenn Sie Ihre Strecke von 350 Kilometern mit einem kleineren E-Auto wie dem BMW i3 zurücklegen möchten, reicht die verfügbare Reichweite bei voll geladenem Akku nicht komplett aus. Die Batterie des aktuellen Modells verfügt über eine Kapazität von 42 kWh, von denen 37,9 kWh nutzbar sind. Dennoch sind bis zu 300 km Reichweite in der Praxis nach LadeHero-Erfahrung absolut realistisch. Doch Sie möchten in unserem Beispiel 350 km zurücklegen, auch auf Schnellstraßen und Autobahnen. Daher werden Sie einen Zwischenstopp einlegen und nachladen.

Erfreulicherweise profitieren Sie hier von der Schnellladung per CSS: Mit den verfügbaren 50 kW Ladeleistung an CSS-Ladestationen können Sie Ihren Akku unterwegs in 20 Minuten wieder bis auf 80 Prozent aufladen, wenn er fast leer war. Das könnte in der Praxis bedeuten, dass Sie nach 150 Kilometern an einer Ladestation, die DC-Ladung mit 50 kW ermöglicht, nachladen und nach einer Viertelstunde Ihre Fahrt fortsetzen. Selbst mit einem kleinen E-Auto wie dem i3 können Sie also problemlos auch einmal eine längere Strecke zurücklegen, wenn schnelles Laden mit 50 kW (DC / Gleichstrom) möglich ist.

Ist es eine Option, ein gebrauchtes E-Auto zu kaufen?

Absolut. Erstens sind E-Autos als Gebrauchtwagen verhältnismäßig wertstabil. Der Preis beim Wiederverkauf kann sich bei Elektroautos oft sehen lassen. Zweitens gibt es Anbieter, bei denen man ein gebrauchtes E-Auto mit Garantie zu fairen Preisen kaufen kann.

Beim Direktkauf von Privat empfiehlt es sich, einen genauen Blick auf das Fahrzeug zu werfen – wie immer, wenn Sie ein Auto kaufen. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei jedoch dem Akku gelten. Vereinbaren Sie eine Probefahrt und beobachten Sie, wie sich die Restreichweite abhängig von Ihrem Fahrstil entwickelt. Lassen Sie sich bescheinigen, dass es keine bekannten Probleme mit dem Akku gibt. Der ADAC bietet nebst etlichen weiteren Informationen zum Kauf eines Gebraucht-E-Autos auch einen Musterkaufvertrag speziell bezogen auf Elektroautos.

Die Batterie mieten oder kaufen?

Sie haben die Wahl und werden sowohl Angebote finden, bei denen Sie den Akku im E-Auto mit kaufen als auch Offerten, bei denen Sie die Batterie mieten. Nachteil der Miete: Günstig ist sie nicht. Vorteil: Der Hersteller ist in der Verantwortung und muss den Akku bei Versagen gratis tauschen.

Ein allgemeiner Tipp lässt sich nicht geben. Kaufen oder mieten? Sie werden mit Sicherheit die richtige Entscheidung treffen, wenn Sie Folgendes in Betracht ziehen:

  1. Wie lange werden Sie das E-Auto nach dem Kauf voraussichtlich behalten, bevor Sie ein neues kaufen?
  2. In welchem Umfang und über welche Dauer ist der Akku von der Herstellergarantie abgedeckt, wenn Sie ihn kaufen?
  3. Besteht demnach überhaupt ein Risiko des vorzeitigen Verschleißes oder Defekts, das so groß ist, dass sich ein zwei- oder dreistelliger Euro-Betrag pro Monat für die Batterie-Miete überhaupt rechnen kann?
Elektroauto-Käufer überlegt, welches Fahrzeug er kaufen soll

Woran Sie noch denken sollten, wenn Sie ein E-Auto kaufen

  • Versuchen Sie, einen Überblick über die Wirtschaftlichkeit zu bekommen. Auch wenn E-Autos beim Kauf aktuell noch etwas teurer sind als Verbrenner – Sie erhalten zum einen eine staatliche Kaufprämie, müssen zum anderen zehn Jahre lang keine Kfz-Steuer für Ihr E-Auto bezahlen und profitieren zudem noch von geringeren Wartungs- und Unterhaltskosten. Die Gesamtbilanz zeigt sich also auf den zweiten Blick besser als auf den ersten.
  • An ein geeignetes Typ-2-Ladekabel denken, das mindestens 22 kW Leistung unterstützen sollte, damit Sie überall auf jeden Fall so schnell wie möglich mit Wechselstrom (AC) laden können.
  • Ladelösung für zuhause gleich mit einplanen: Von Beginn an sollten Sie das reibungslose Aufladen zum Thema machen.
  • Verfügt Ihr Auto über eine Wärmepumpe, spart das Stromverbrauch ein und ist auch deutlich komfortabler. Denn dann können Sie Ihr E-Auto vor dem Losfahren vorheizen oder herunterkühlen.

 

Bernhard Jodeleit

Bernhard Jodeleit unterstützt mit seiner Agentur Lots of Ways Unternehmen in Sachen Onlinemarketing und Kommunikation. Zuvor war er Journalist im High-Tech-Bereich. Energie und Mobilität gehören zu seinen Schwerpunktthemen. Seit 2016 fährt er vorwiegend E-Autos.
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