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Wie fährt sich ein E-Auto?

Von Bernhard Jodeleit | 24. Januar 2020
Wie fährt sich ein E-Auto?

Wer E-Auto fährt, wird immer wieder gefragt: “Wie ist das so?”

Oft dauert es nach dem Halt an einer öffentlichen Ladestation nicht lange, bis jemand neugierige Blicke auf Fahrzeug und Ladesäule wirft. Die andere Person kennt E-Mobility nur aus den Medien oder aus theoretischen Diskussionen. Sie möchte wissen: Was ist denn nun anders beim E-Auto? Wie unterscheidet sich das Fahren eines Elektro-Autos von dem eines Verbrenners?

Aufladen und Reichweite: Wichtig, aber nicht alles

Es gibt zwei Fragen, die ich als E-Auto-Fahrer beim Laden meines Renault Zoe besonders oft höre:

“Wie lange dauert das Aufladen?”

“Wie ist die Reichweite?”

Nach dem Fahrgefühl, der dank idealen Drehmoments unverschämt guten Beschleunigung, der Abwesenheit von Auspuff und Abgasen und schlicht dem guten Gefühl, anderen Menschen um mich herum keine Rußpartikel um die Ohren zu blasen, wurde ich seltener gefragt.

E-Auto zu fahren bereitet Freude

Schade, denn davon könnte ich einiges berichten: E-Auto zu fahren bereitet mir Freude. Einfach, weil der lärm- und vibrationsarme Antrieb sich überlegen, modern, freundlich anfühlt.

Komme ich nach Hause oder fahre ich los, so geht viel leiser vonstatten als mit einem Verbrenner – ein angenehmes Gefühl. Dennoch hörten Fußgänger mein E-Auto bisher stets  rechtzeitig, da bei niedrigen Geschwindigkeiten unter 30 km/h ein künstliches Fahrgeräusch abgegeben wird.

Viele Verschleißteile, die bei klassischen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor existieren, fallen beim E-Auto weg, etwa das Getriebe mit unterschiedlichen Übersetzungen – oder auch das damit verbundene Motorenöl. All das ist beim E-Auto nicht notwendig. Entsprechend gering fallen Wartungs- und Inspektionskosten aus.

E-Auto fahren ist ruhiger und dynamischer zugleich

Der Antrieb ist leiser, das Fahrgefühl ruhiger. Selbst ein kleines Fahrzeug in der unteren Mittelklasse hängt stärker motorisierte Verbrenner an der Ampel locker ab, weil deren Fahrer erst einmal, ob Schaltung oder Automatik, in Fahrt kommen müssen – während der Elektromotor eben sofort das maximale Drehmoment liefert.

Mit Rekuperation Energie zurückgewinnen

Viel häufiger als der Abhängen-an-der-Ampel-Moment ist jedoch die Erfahrung der Rekuperation. Wo der Verbrenner-Fahrer bremsen muss, reicht es für den E-Auto-Fahrer schon häufig, einfach etwas vom Gaspedal zu gehen. Schon wird der Wagen, je nach Modell, mehr oder weniger langsamer. Dabei wird Strom aus der Bremsenergie erzeugt.

Was beim konventionellen Fahrzeug nur Wärme und Abrieb an der Bremsscheibe produziert, wird beim Elektro-Mobil zu einem gewissen Teil wieder zu elektrischer Ladung im Akku gemacht. Das gilt beim Entschleunigen auf ebener Strecke und erst recht, wenn’s den Berg runter geht. Toll!

Umgekehrt zeigt sich dieses Fahrverhalten jedoch auch. Auf Schnellstraßen oder Autobahnen kann man beim Verbrenner auf ebener oder leicht abschüssiger Strecke schon mal den Fuß vom Gas nehmen, ohne merklich langsamer zu werden. Mit einem E-Auto klappt das nicht – zumindest nicht ohne Tempomat.

Wie schnell man sich daran gewöhnt, merke ich, wenn ich zwischendurch wieder Verbrenner fahre: Dann wundere ich mich, warum das Fahrzeug, subjektiv empfunden, mit nahezu gleicher Geschwindigkeit weiter fährt, wenn ich vom Gaspedal gehe.

Auf das richtige Fahrzeug setzen

Wer regelmäßig längere Strecken auf Schnellstraßen zurücklegt, sollte darauf achten, ein geeignetes Fahrzeug mit entsprechender Akkukapazität, Ladegeschwindigkeit auszuwählen. Längst existieren E-Autos, die sich auch als Langstreckenfahrzeuge eignen. Andere Modelle sind eher für die Stadt gedacht.

Entspannteres Reisen – wenn man sich darauf einlässt

Mein Fahrzeug empfinde ich hier als guten Mittelweg. Selbst mit einem kleineren Fahrzeug wie der Zoe kann man durchaus Strecken von mehreren Hundert Kilometern problemlos zurücklegen. Als Fahrer eines solchen E-Autos gewinnt man schon nach kurzer Zeit ein Gefühl dafür, wie man Strecken mit einem oder mehreren Ladestopps sinnvoll plant.

Vereinzelt privilegiert in Städten

In manchen Städten genießen E-Autos aktuell Privilegien:

  • E-Autos mit entsprechendem Kennzeichen dürfen beispielsweise in Stuttgart kostenlos städtische Parkflächen sowie Anwohner-Parkzonen nutzen.
  • Kostenloses Laden wird immer seltener, wird aber teilweise noch angeboten, etwa vom Einzelhandel oder in manchen städtischen oder Unternehmens-Parkhäusern.
  • Ab und zu sind mit öffentlichen Ladestationen direkt am Straßenrand attraktive Parkmöglichkeiten während der Ladedauer verbunden, die Verbrennern vorenthalten bleiben.

Je dezentraler, desto häufiger frei: Das gilt aktuell für öffentliche Ladestationen.

Aller Voraussicht nach wird es in Zukunft immer häufiger vorkommen, dass die gewünschte öffentliche Ladestation nicht frei ist. Denn die Zahl der E-Autos steigt immer schneller. Ärgerlich, wenn rücksichtslose Menschen innerstädtische Ladesäulen-Parkplätze blockieren, etwa durch langes Überziehen der eigentlich nötigen Ladezeit oder durch verbotenes Abstellen eines Verbrenner-Fahrzeugs. Solche Fahrer riskieren je nach Beschilderung, dass sie abgeschleppt werden, insbesondere, wenn ein offizielles Halteverbot die Nutzung strikt auf den Ladevorgang beschränkt.

Komfortabel von der App aus das Fahrzeug herunterkühlen

Eine der Funktionen, die mich zusätzlich begeistern bei meinem kleinen E-Mobil, ist die Stand-Klimaanlage. Ohne den Motor starten zu müssen, kann ich von einer Smartphone App aus bereits Minuten vor dem Einsteigen die drückende Sommerhitze im Fahrzeug auf meine Wunschtemperatur herunterkühlen lassen. Oder im Winter umgekehrt vorheizen.

Das passt – alles in allem – zu meinem persönlichen E-Mobility-Gesamtbild. Was auf den allerersten Blick wie eine Investition in die Zukunft wirkt, die mit gewissen Entbehrungen verbunden ist, entpuppt sich auf den zweiten Blick als nicht nur zeitgemäßer, sondern auch als rundum weniger belästigend (Abgase, Motorgeräusche außen) und dazu noch komfortabler (Fahrgeräusch innen, Fahrverhalten, Komfortfunktionen).

Wenn Sie mich also auf dem Parkplatz treffen sollten und mich fragen würden: Nein, Verbrenner wollte ich nicht mehr regelmäßig fahren. Ich fahre gern E-Auto, und zwar vor allem, weil es einfach ganz großen Spaß macht.

Bernhard Jodeleit

Bernhard Jodeleit unterstützt mit seiner Agentur Lots of Ways Unternehmen in Sachen Onlinemarketing und Kommunikation. Zuvor war er Journalist im High-Tech-Bereich. Energie und Mobilität gehören zu seinen Schwerpunktthemen. Seit 2016 fährt er vorwiegend E-Autos.
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